Neu im Betriebsrat

Neu im Betriebsrat

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Ihre neue Rolle im Betriebsrat

Sie sind neu in den Betriebsrat gewählt worden? Herzlichen Glückwunsch! Es liegt jetzt eine spannende und herausfordernde Zeit vor Ihnen, in der Sie viel Gutes bewegen können.

Betriebsratstätigkeit kann viel Freude bereiten und sehr erfüllend sein. Als neu gewähltes Betriebsratsmitglied wird Ihnen aber zunächst Einiges fremd vorkommen. Sie werden mit vielen Gesetzen und Paragrafen in Berührung kommen, von denen Sie zuvor wahrscheinlich noch nichts oder nur wenig gehört haben. Wenn Sie ihre Aufgaben als Betriebsratsmitglied gewissenhaft und effektiv ausüben wollen, müssen Sie sich jedoch unbedingt mit den wichtigsten arbeitsrechtlichen Gesetzen vertraut machen. Aber keine Sorge, Sie müssen nicht alles gleich am ersten Tag wissen. Sie sollten einfach Schritt für Schritt vorgehen.

Die allerwichtigsten Infos wollen wir Ihnen mit unserem kleinen Ratgeber "Neu im Betriebsrat" mit auf den Weg geben.

Die Aufgaben eines Betriebsrats

Als Betriebsrat sind Sie Verteter der Interessen der Arbeitnehmer Ihres Betriebs. Sie reden bei Entscheidungen des Arbeitgebers mit, die dieser ohne Betriebsrat allein treffen würde.

Der Gesetzgeber hat dem Betriebsrat viele einzelne Aufgaben übertragen. Der Betriebsrat hat

  • darüber zu wachen, dass die zu Gunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen durchgeführt werden
  • beim Arbeitgeber Maßnahmen zu beantragen, die dem Betrieb und der Belegschaft dienen
  • die Durchsetzung der tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern - insbesondere bei der Einstellung, Beschäftigung, Aus-, Fort- und Weiterbildung und dem beruflichen Aufstieg - zu fördern. Er ist auch verpflichtet, die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit zu fördern
  • die Wahl einer Jugend- und Auszubildendenvertretung vorzubereiten und durchzuführen
  • die Anregungen von Arbeitnehmern und der JAV entgegenzunehmen und, falls sie berechtigt erscheinen, durch Verhandlungen mit dem Arbeitgeber auf eine Erledigung hinzuwirken
  • die Eingliederung Schwerbehinderter und sonstiger besonders schutzbedürftiger Personen zu fördern
  • die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer im Betrieb zu fördern
  • die Eingliederung ausländischer Arbeitnehmer im Betrieb und das Verständnis zwischen ihnen und den deutschen Arbeitnehmern zu fördern
  • die Beschäftigung insgesamt im Betrieb zu fördern und zu sichern
  • Maßnahmen des Arbeitsschutzes und des betrieblichen Umweltschutzes zu fördern.

Betriebsratsarbeit findet während der Arbeitszeit statt

Ihre Betriebsratsaufgaben sollen Sie während Ihrer Arbeitszeit erledigen. Deshalb haben Sie einen Anspruch auf bezahlte Freistellung von der Arbeit, um Ihren Betriebsratsaufgaben nachgehen zu können. Nach dem Willen des Gesetzgebers hat die Betriebsratsarbeit sogar grundsätzlich Vorrang vor der normalen Arbeit.

Besonderer Kündigungsschutz

Als Betriebsrat sind Sie Interessenvertreter für die gesamte Belegschaft. Dadurch können Siefür Ihren Arbeitgeber auch schon einmal unbequem werden. Damit Sie aber trotzdem keine Angst vor einer Kündigung haben müssen, genießen Sie besonderen Kündigungsschutz.

Tipps für einen guten Start Ihr Amt als neuer Betriebsrat

  1. Ein Schritt nach dem anderen
    Sie müssen nicht gleich zu Beginn Ihrer ersten Amtszeit alles wissen und alle Probleme Ihres Betriebs lösen. Machen Sie sich zunächst mit Ihrer neuen Aufgabe vertraut und gehen Sie dann eine Aufgabe nach der anderen zielgerichtet an.
  2. Prioritäten setzen
    Der Gesetzgeber hat dem Betriebsrat so viele Aufgaben übertragen, dass es praktisch unmöglich ist, diese alle in einer Amtszeit wahrzunehmen. Setzen Sie deshalb Prioritäten und gehen Sie zunächst die dringendsten Probleme an.
  3. Lassen Sie sich nicht einschüchtern
    Als Betriebsrat braucht man schon manchmal ein dickes Fell. Denn gute Betriebsratsarbeit kann für den Arbeitgeber unbequem sein. Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Vor allem durch Ihren besonderen Kündigungsschutz haben Sie eine sehr starke Rechtsposition.
  4. Die Rechte und Pflichten des Betriebsrats kennen
    Gut „spielen“ kann nur derjenige, der die Spielregeln kennt. Machen Sie sich deshalb mit den rechtlichen Grundlagen der Betriebsratsarbeit vertraut.
  5. Machen Sie Öffentlichkeitsarbeit
    Informieren Sie Ihre Kollegen regelmäßig über aktuelle Themen der Betriebsratsarbeit. Sorgen Sie dafür, dass die Kollegen davon erfahren, was Sie als Betriebsrat erreicht haben.
  6. Augen und Ohren offen halten
    Als Betriebsrat vertreten Sie die Interessen der Arbeitnehmer Ihres Betriebs. Um zu erfahren, wo in der Belegschaft der Schuh drückt, müssen Sie Augen und Ohren im Betrieb offen halten.
  7. Auf dem Laufenden bleiben
    Informieren Sie sich regelmäßig, welche Änderungen es im Arbeitsrecht gibt. Lesen Sie dazu z.B. Zeitschriften für Betriebsräte oder informieren Sie sich im Internet.
  8. Fordern Sie zu Beginn einer Verhandlung viel!
    Verhandlungen mit dem Arbeitgeber laufen häufig nach der Basarmethode ab: Das heißt, die eine Seite fordert zunächst möglichst viel und die andere bietet möglichst wenig. Dann nähert man sich einander an. Fordern Sie zu Beginn einer Verhandlung möglichst viel, um einen großen Verhandlungsspielraum zu haben.
  9. Seien Sie kooperativ, aber nicht zu nachgiebig
    Für den Betrieb ist es am besten, wenn Arbeitgeber und Betriebsrat vertrauensvoll zusammenarbeiten. So will es auch das Gesetz. Seien Sie gegenüber dem Arbeitgeber aber auch nicht zu nachgiebig. Denn Sie sollen die Interessen der Arbeitnehmer vertreten und diese möglichst auch durchsetzen.
  10. Die eigentliche Aufgabe des Betriebsrats nicht aus den Augen verlieren
    Als Betriebsrat sind Sie Interessevertreter der Arbeitnehmer des Betriebs. Hinterfragen Sie deshalb immer, ob ein vom Betriebsrat beabsichtigtes Vorgehen wirklich im Sinne der Belegschaft ist.

 
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