Im Karnevalskostüm zur Arbeit? Auch bei dieser Frage kann der Betriebsrat mitentscheiden. Er hat hier ein Mitbestimmungsrecht aus § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG.

In vielen Regionen Deutschlands beginnt am 11.11. um 11.11 Uhr die fünfte und schönste Jahreszeit. Vor allem im Rheinland und in Hessen wird der Karneval sehr intensiv begangen. Für viele Fans des Karnevals gehört das Verkleiden dazu. Die Ideen sind ausgefallen, witzig, originell, in jedem Fall aber sehr vielfältig. Die fünfte Jahreszeit dauert bis Mitte Februar, denn, so wissen auch Nichtkarnevalisten, am Aschermittwoch ist alles vorbei. Während der Monate der fünften Jahreszeit müssen die meisten Narren ihrer Arbeit nachgehen. Nicht jeder Anlass, der während des Karnevals gefeiert wird, kann mit dem Jahresurlaub abgedeckt werden. Und nicht immer gelingt den fröhlichen Narren eine eindeutige Trennung zwischen dem Karneval und dem realen Leben. Und so kann es vorkommen, dass besonders engagierte Narren im Karnevalskostüm zur Arbeit gehen möchten. Was dem Nichtkarnevalisten mitunter utopisch oder schwer verständlich erscheint, kommt in den deutschen Karnevalshochburgen häufiger vor. Immer wieder stellt sich die Frage, ob dies gestattet ist und ob der Arbeitgeber es dulden muss, wenn die Arbeitnehmer das Vergnügen mit der Arbeit auf diese Weise miteinander vermischt.

Weisungsrecht des Arbeitgebers in Bezug auf die Arbeitskleidung

Es gibt zahlreiche Arbeitsstellen, in denen die berufliche Tätigkeit mit einem Karnevalskostüm gar nicht ausgeführt werden kann. Dazu gehören beispielsweise Krankenhäuser oder Industriebetriebe. Die Arbeitsbekleidung ist fest vorgeschrieben und wird oftmals sogar vom Arbeitgeber gestellt. Gerade in Krankenhäusern und Pflegeheimen wäre es für kranke und pflegebedürftige Menschen mitunter gar nicht zumutbar, wenn das Personal im Karnevalskostüm erscheint. In diesen Unternehmen ist die Lage eindeutig und der Betriebsrat wird nur in seltenen Fällen eingreifen müssen. Grundsätzlich hat der Arbeitgeber ein Weisungsrecht. Dies bedeutet, dass er eine der Arbeit angemessene Kleidung verlangen kann. Ein Karnevalskostüm gehört in der Regel nicht in diese Kategorie. Dennoch kommt es auch in Firmen mit weniger strengen Vorgaben vor, dass der Chef nicht wünscht, dass seine Mitarbeiter im Kostüm zur Arbeit erscheinen. In diesen Fällen kann der Betriebsrat vermitteln und versuchen, eine Lösung zu finden, die für beide Seiten gut akzeptiert werden kann. Neben der Frage, ob die Mitarbeiter mit einem Kostüm zur Arbeit erscheinen dürfen, steht auch die Problematik des Alkoholgenusses während der Arbeit im Raum. Der Betriebsrat darf gern eingeschaltet werden, wenn geklärt werden soll, ob Mitarbeiter mit einem Kostüm ins Büro gehen und während der Arbeitszeit Alkohol konsumieren dürfen. Idealerweise sollte die Klärung dieser Fragen vor dem Beginn der fünften Jahreszeit erfolgen.

Bürotätigkeiten ohne Kundenkontakt

Die wenigsten Probleme gibt es bei Mitarbeitern, die im Büro tätig sind und während ihrer Arbeitszeit keinen Kundenkontakt pflegen. Viele Chefs zeigen sich vor allem in den Karnevalshochburgen Mainz und Köln verständnisvoll und erlauben ihren Mitarbeitern einen oder sogar mehrere Arbeitstage im Karnevalskostüm. Ob das Gläschen Sekt, eine Bowle oder ein erfrischender Cocktail auch erlaubt sind, wird im Einzelfall geklärt. Wichtig ist, dass die Arbeit trotz der närrischen Stimmung erledigt wird und das Unternehmen an den tollen Tagen nicht in Schwierigkeiten gerät.
Wenn sich der Chef uneinsichtig zeigt, kann der Betriebsrat helfen und von seinem Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen. Dies führt häufig zu einem Kompromiss, der für die Betriebsführung und für die Mitarbeiter sehr gut tragbar ist. Keinesfalls sollten die Wünsche der Beschäftigten nach ein wenig Ausgelassenheit in der Karnevalszeit einfach übergangen werden. Dies wirkt sich nicht gut auf das Betriebsklima aus und kann im schlimmsten Falle dazu führen, dass die gute Atmosphäre zwischen dem Chef und seinen Mitarbeitern nachhaltig gestört wird. Damit es soweit nicht kommt, ist es empfehlenswert, wenn die offenen Fragen rund um die Karnevalszeit rechtzeitig mit dem Betriebsrat geklärt werden. Auf diese Weise bleibt Zeit für eine Lösungsfindung.

Kundenkontakt im Karnevalskostüm

Was auf den ersten Blick unvereinbar erscheint, ist es mitunter gar nicht. An den tollen Tagen ist vieles anders, und so ist es durchaus möglich, dass die Mitarbeiter ihre Kunden im Karnevalskostüm empfangen oder einen Termin mit Verkleidung wahrnehmen.
Wenn Mitarbeiter mit der Bitte um Unterstützung in einer solchen Frage an den Betriebsrat herantreten, ist in jedem Fall Fingerspitzengefühl gefragt.

Ordnung im Betrieb darf vom Betriebsrat mitbestimmt werden

Die Frage der Kostümierung während der Karnevalszeit fällt unter die sogenannte Ordnung im Betrieb. Einige Chefs möchten sich diesen Fragen am liebsten gar nicht aussetzen und verweisen lapidar darauf, dass die Kostümierung während der Karnevalszeit Privatsache ist und im Unternehmen gar nichts zu suchen hat. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, denn in den Fragen der Betriebsordnung darf der Betriebsrat mitbestimmen und sich durchaus auf die Seite der Mitarbeiter stellen und eine Vermittlung mit dem Chef einleiten. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Ordnung im Betrieb durch die Kostümierung gar nicht gestört wird. In einem Büro, in dem Kollegen ohne den direkten Kontakt zum Kunden miteinander arbeiten, kann die Kostümierung die Stimmung und damit auch den Wert der Arbeit anheben. Wer gut gelaunt ist, dem geht die Arbeit leichter von der Hand.
Im § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG ist festgelegt, dass der Betriebsrat bei den Fragen der Ordnung im Unternehmen mitbestimmen darf. Nach diesem Gesetz dürfen Zeiten, an denen Alkohol aus bestimmten Anlässen am Arbeitsplatz konsumiert werden darf, sogar ausdrücklich festgelegt werden. Gleiches kann für die Karnevalszeit gelten. Das Tragen eines Kostüms und der Konsum von einem Gläschen Sekt oder einer Flasche Bier während der Arbeitszeit kann durch die engagierte Vermittlung des Betriebsrates für die Arbeitnehmer oftmals positiv entschieden werden.

Den Arbeitsschutz berücksichtigen

Abgesehen von der optischen Komponente kann ein Kostüm den Arbeitsschutz beeinträchtigen. Aber auch in dieser Frage hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht, welches in § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG geregelt ist. Grundsätzlich versteht es sich von selbst, dass die Mitarbeiter keine Kostüme tragen, die sich in einer Maschine oder Anlage verfangen und so die Gesundheit beeinträchtigen können. Es gibt aber zahlreiche Kostüme, die mit dem Arbeitsschutz vereinbar sind, und so kann der Betriebsrat in dieser Frage versuchen, eine Einigung im Sinne der Mitarbeiter mit dem Chef zu erzielen. So kann beispielsweise festgelegt werden, an welchen Tagen oder zu welchen Zeiten das Kostüm getragen werden darf. In dieser Zeit könnten Arbeiten erledigt werden, die für den Arbeitsschutz nicht von Belang sind.