Herausforderung Betriebsratsarbeit: Der Betriebsrat agiert als Mittler zwischen der Geschäftsführung und den Mitarbeitern, muss sich mit rechtlichen Belangen ebenso gut auskennen wie mit zwischenmenschlichen Kniffen und Rhetorik. Hier gibt es Tipps, wie sich die täglichen Anforderungen meistern lassen und die Arbeit im Betriebsrat für alle Beteiligten erfolgreich wird.

Die richtige Ansprache

Wer zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber agiert, muss mit allen Gesprächspartnern auf Augenhöhe kommunizieren. Die Art der Gesprächsführung ist ausschlaggebend für erfolgreiche Verhandlungen – abgesehen von der Fachkompetenz. Wie etwas gesagt wird, macht mindestens 50 Prozent der Botschaft aus, die ankommt. Mit überzeugenden Argumente und einer souveränen Ausstrahlung lassen sich Verhandlungen erfolgreich führen und Interessen wirkungsvoll vertreten. Und das sorgt wiederum dafür, dass der Betriebsrat sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei der Führungsebene als kompetenter Mittler anerkannt wird. Wer rhetorisch (noch) nicht fit ist, dem kann ein entsprechendes Coaching weiterhelfen. Rhetorikkurse vermitteln Tricks und Kniffe der Gesprächsführung: Die richtige Struktur eines Gesprächs, einen wirkungsvollen und anschaulichen Stil und viele weitere nützliche Tipps.

Fachwissen ist Pflicht

Betriebsratsmitglieder setzen sich üblicherweise aus der Belegschaft zusammen. Je nachdem, in welcher Branche das Unternehmen tätig ist, kann oftmals weder ein Jura- noch ein Betriebswirtschaftsstudium vorausgesetzt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Betriebsrat sich nicht dennoch grundlegende Kenntnisse über arbeitsrechtliche und juristische Themen sowie betriebswirtschaftliche Zusammenhänge aneignen sollte. Schon allein, um seine Kompetenzen vor dem Arbeitgeber fundiert vorzubringen, sollte er wissen, welchen wirtschaftlichen Notwendigkeiten das Unternehmen ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite muss er, um die Interessen der Arbeitnehmer durchzusetzen, die gesetzlichen Hintergründe kennen. Das Betriebsverfassungsgesetz in seinen Grundzügen zu kennen – und im Fall der Fälle parat zu haben – ist ohnehin Pflicht. Darüber hinaus sollte man sich die wichtigsten Arbeitsschutzgesetze aus dem BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) einprägen.

Sinnvoller Austausch mit den Kollegen

Niemand ist bekanntlich eine Insel und der Austausch mit Kollegen aus anderen Unternehmen erlaubt einen Blick über den Tellerrand, schafft Synergien und bietet einen Raum für nützliche Tipps für die tägliche Betriebsratsarbeit. Betriebsratsschulungen sind etwa eine gute Plattform, um entsprechende Kontakte zu knüpfen. Auch Gewerkschaften bieten in regelmäßigen Abständen „Betriebsrat-Stammtische“ an. Allerdings sollte man bei einem solchen Treffen darauf achten, dass die Zeit auch effektiv genutzt wird. Ein loser Austausch ist schön und gut, jedoch ergibt es meistens mehr Sinn, wenn das Treffen unter einem bestimmten Motto oder Thema steht. Externe Referenten, die zu einer aktuellen oder brisanten Fragestellung sprechen, bringen frischen Wind in das Treffen und sorgen dafür, dass die Teilnehmer mit aktuellen Erkenntnissen versorgt werden. Und dazu ist der Austausch mit Kollegen schließlich in erster Linie da.

Regelmäßiger Kontakt zur Geschäftsführung

Betriebsrat und Arbeitgeber sollen sich laut Betriebsverfassungsgesetz in regelmäßigen Abständen zusammensetzen, um aktuelle Fragen und Streitpunkte zu besprechen. Das ist nicht nur Gesetz, sondern sinnvoll – und sollte daher von Betriebsrat und Firmenleitung auch forciert werden. An diesen vorgeschriebenen Gesprächen sollen alle Mitglieder des Betriebsrats sowie Mitglieder der Führungsriege teilnehmen. Auch ein Gewerkschaftsvertreter ist zur Teilnahme berechtigt. Allerdings sind diese regelmäßigen Gespräche nicht mit den monatlichen Betriebsratssitzungen zu verwechseln. Zudem können beide Parteien, Betriebsrat und Arbeitgeber, auch einvernehmlich von der Sitzung Abstand nehmen. Ratsam ist das jedoch nicht, schließlich sollte beiden Beteiligten Parteien an einem regelmäßigen konstruktiven Austausch interessiert sein.

Die Zukunft ist digital

Ohne moderne Medien funktioniert heute kaum mehr etwas – und so auch nicht die Betriebsratsarbeit. Noch immer sieht man heute Betriebsräte, die mit veralteten Computern arbeiten oder keinen Zugang auf die unternehmensinternen Datenbanken haben. Und das selbst dann, wenn das Unternehmen selbst eigentlich auf einem aktuellen technischen Stand ist. Sich den technischen Entwicklungen zu verschließen, ist letztendlich ein Hemmnis für die Betriebsratsarbeit und so sollte man sein Augenmerk unbedingt auch darauf richten, eine aktuelle technische Ausstattung zur Verfügung zu haben. Nicht immer wird diese vom Arbeitgeber automatisch zur Verfügung gestellt. Hier hilft nur, sie einzufordern. Dafür muss man allerdings das übliche Equipment im Blick haben und wissen, was nötig ist – und hier sind wir wieder bei den nötigen Kenntnissen, zu denen letztendlich auch Grundwissen in der IT-Ausstattung gehört.

Konflikte gehören dazu

Zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber herrscht selten eitel Sonnenschein. Konflikte sind an der Tagesordnung. So gehört es zu einer erfolgreichen Betriebsratsarbeit auch, Reibungspunkten nicht aus dem Weg zu gehen, sondern seine Energien im Sinne der Belegschaft einzusetzen – auch wenn dazu gehört, sich das eine oder andere Wortgefecht zu liefern. Rhetorische Kniffe gehören zu einer erfolgreichen Konfliktbewältigung dazu, allerdings ist die Arbeit im Betriebsrat schlussendlich auch eine Herzensangelegenheit, zu der man motiviert sein muss.

Da sein und sich zeigen

Freigestellte Betriebsräte neigen oftmals dazu, sich nur noch selten im Unternehmen sehen zu lassen, etwa weil sie auf Geschäftsreisen sind oder an Meetings teilnehmen. Ein grober Fehler. Betriebsräte sind das Sprachrohr der Belegschaft und so sollten sie diese auch kennen und umgekehrt bei den Mitarbeitern bekannt sein. Das ist schon allein deshalb wichtig, da sonst nur schwer ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann. Betriebsräte, die sich lediglich kurz vor den Wahlen sehen lassen, wirken wenig vertrauenswürdig und lassen sich wichtige Chancen entgehen. So steht auch die Wahl auf der Kippe – und schließlich der Wert der Betriebsratsarbeit.

Beachten Sie Regeln und Gesetze

Ein Betriebsrat darf längst nicht alles. Das sollte man bei der täglichen Arbeit keinesfalls vergessen – und auch nicht, dass bei groben Verstößen auch einem Betriebsrat die Kündigung drohen kann. Gerade im Eifer des Gefechts, wenn Unstimmigkeiten zwischen Arbeitgeber und -nehmer akut werden, Verhandlungen geführt und Vereinbarungen austariert werden, gerät man in Gefahr, Regeln und Gesetze nicht mehr ganz so genau zu nehmen. Dann hilft es, sich einige Grundregeln für die Betriebsratsarbeit vor Augen zu halten. So dürfen Betriebsräte nicht zum Streik auffordern, auch wenn das angesichts von Tarifverhandlungen angebracht scheinen würde. Auch in der Arbeit mit den Mitarbeitern gilt es, seine Pflichten im Auge zu behalten. Beschwerden der Belegschaft dürfen keinesfalls ignoriert werden, allerdings dürfen auch keine voreiligen Zusagen gegeben werden. Und: ein Betriebsratsmitglied handelt niemals allein. Beschlüsse sind nur gültig, wenn sie einstimmig vom gesamten Betriebsrat abgesegnet wurde. Und schließlich gilt es, dem Arbeitgeber gegenüber sachlich und fair zu bleiben. Nur dann können Abkommen beschlossen werden, die im Sinne aller Beteiligten sind.