Wenn Betriebsratswahlen anstehen, obliegt es dem amtierenden Betriebsrat, die Belegschaft darüber zu informieren und für eine Mitarbeit in diesem Gremium zu werben. Die Kollegen von einer Kandidatur für den Betriebsrat zu überzeugen, ist jedoch nicht immer ganz einfach. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Fakten und Tipps zur Gewinnung von Kandidaten für Sie zusammengestellt.

Gezielte Informationspolitik

Das Interesse an einer bevorstehenden Betriebsratswahl steht und fällt mit der Informationspolitik während der gesamten Amtsperiode. Ein Betriebsrat, der die Belegschaft über seine Arbeit auf dem Laufenden hält, schafft Transparenz und verdeutlicht außerdem seine Bedeutung. Welche Ziele verfolgt der Betriebsrat und wie erfolgreich ist seine Arbeit? Die Beschäftigten sollten darüber regelmäßig informiert werden. Wenn das Gremium über ein gutes Image verfügt und seine Arbeit anerkannt ist, wirkt sich dies nicht nur positiv auf die Wahlbeteiligung aus, sondern es fördert auch die Bereitschaft von Mitarbeitern, sich für die Wahl aufstellen zu lassen.

Weshalb ist Werbung in eigener Sache so wichtig?

Betriebsräte setzen sich aus gutem Grund für eine hohe Wahlbeteiligung ein. So zeigt ein reges Interesse an der Stimmabgabe, dass ein großer Rückhalt innerhalb der Belegschaft gegeben ist, der die Position der Interessenvertretung gegenüber dem Unternehmen zusätzlich stärkt. Eine nicht minder große Rolle spielt die Gewinnung von Kandidaten für die Wahl, um nicht das Risiko einer betriebsratslosen Zeit einzugehen. Vor allem in Betrieben mit hoher Fluktuation oder entsprechender betrieblicher Altersstruktur ist es außerdem wichtig, eine ausreichende Zahl von Ersatzmitgliedern zu benennen, die gegebenenfalls die Stelle von ausscheidenden Betriebsräten einnehmen können. Somit gilt es für den amtierenden Betriebsrat, Überzeugungsarbeit zu leisten und Kollegen für das Amt zu begeistern.

Überzeugen mit System: Auswahl der richtigen Medien

Es existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Medien wie etwa Flyer, Plakate oder die regelmäßig erscheinende Betriebsratszeitschrift, die sich zur Informationsübermittlung und zur gezielten Werbung um neue Kollegen für den Betriebsrat einsetzen lassen. Es empfiehlt sich die Kombination mehrerer Medien, da sich die Chancen auf Verbreitung der Inhalte dadurch erhöhen. Wenn Informationen in stark frequentierten Bereichen des Betriebes bereitgestellt werden wie beispielsweise in den Pausenräumen oder vor der Kantine, sorgt schon allein die Platzierung für Aufmerksamkeit. Bei der Auswahl geeigneter Medien kommt es nicht zuletzt darauf an, solche zu bevorzugen, die innerhalb der Belegschaft große Akzeptanz genießen. Ob Intranet oder Schwarzes Brett ist hier eher eine Frage der individuellen Unternehmenskultur.

Nicht unwichtig: ansprechende Gestaltung der Inhalte

Im Idealfall sind Werbebotschaften so gestaltet, dass die Zielgruppe sich angesprochen fühlt. Dies gilt natürlich auch für die Werbung um Kollegen, deren Interesse für die Mitarbeit im Betriebsrat geweckt werden soll. Natürlich stehen spannende betriebliche Themen und aktuelle Entwicklungen im Mittelpunkt, die Neugier auslösen. Dabei sind sprachliche Besonderheiten im Betrieb wie beispielsweise die Anrede der Kollegen mit einem „Du“ oder „Sie“ zu berücksichtigen. Mitreißende Inhalte gewinnen zusätzlich an Strahlkraft, wenn sie ein ansprechendes Layout zeigen. Die Einarbeitung von Fotos und/oder Grafiken sowie die farbliche Gestaltung trägt dazu bei, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

A und O: das persönliche Gespräch

Das effektivste Mittel zur Kandidatengewinnung ist jedoch das Gespräch von Kollege zu Kollege. Für ein Betriebsratsmitglied eröffnet sich hier die beste Gelegenheit, sachliche Argumente vorzubringen. Zwar sind die Gegebenheiten nicht in allen Betrieben gleich, doch zwei Sachgründe für eine Kandidatur lassen sich immer anführen: Mitbestimmung und Mitgestaltung bei betriebsinternen Belangen. Dazu zählen unter anderem die Personalplanung und Arbeitszeitregelungen. Fast noch wichtiger ist es, eigene Erfahrungen zu schildern und die persönliche Überzeugungskraft zu nutzen. Auch Vorbehalte gegen das Amt wie etwa Ängste, sich beim Arbeitgeber unbeliebt zu machen oder der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, können im Gespräch unter vier Augen ausgeräumt werden. Die Vorteile der Betriebsratsarbeit und die Bedeutung des Amts lassen sich darüber hinaus mit weiteren Fakten untermauern:

  • Informationslage: stets auf dem neuesten Stand hinsichtlich betrieblicher Entwicklungen
  • abwechslungsreiche Tätigkeit durch stetige Zusammenarbeit und Austausch mit Kollegen
  • Möglichkeit zur Fortbildung in vielen die Betriebsratsarbeit betreffenden Themenfeldern
  • persönliche Weiterentwicklung der kommunikativen Kompetenz
  • Stärkung des Selbstbewusstseins durch die Bewältigung neuer Herausforderungen
  • besonderer Kündigungsschutz während der Kandidatur und der Amtszeit nach § 15 KSchG